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Stand: 14 Dezember 2013



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Legendäre Flugzeuge 
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14 Dezember 2013
Messerschmitt Me (Bf) 109 (II)

Als im Juni 1941 der Grossangriff auf die Sowjetunion begann, wurde die Serie Bf 109F bei den Jagdgeschwadern an der Front eingeführt, doch blieb der `Emil' noch lange Zeit im Einsatz.
Die Bf 109F mit ihrem Triebwerk DB 601E (1.200 PS/895 kW) galt allgemein als attraktivste Variante der Bf 109. Sie hatte abgerundete Flügelrandbögen und eine vergrösserte Propellerhaube. Glatte Klappen ersetzten die geschlitzten Klappen des `Emil'. Das Heckfahrwerk konnte jetzt voll eingezogen werden und das Heckleitwerk war von nun an selbsttragend.
Die Bewaffnung dieses Typs wurde dagegen überall bemängelt, da sie auf die frühere Ausstattung mit zwei MG 17 im Bug und einer Bordkanone im Propellerschaft reduziert worden war. Die Militärexperten waren mit den Leistungen dieser Ausstattung theoretisch zufrieden, doch für erfolgreiche Einsätze brauchten die Piloten eine schwerere Bewaffnung.










Bf 109F-2/trop










Bf 109F-4B










Bf 109G-2











Bf 109G-6/ U4N










Bf 109G-10












Bf 109 G-2












Bf 109G-12









Bf 109H-0









Bf 109K-6


In der zweiten Hälfte des Jahres 1940 musterte die Luftwaffe das Vorlaufmodell Bf 109F-0 aus und ersetzte es im folgenden Jahr durch die Bf 109F-1. Dabei stellte sich heraus, dass die selbsttragende Konstruktion des Heckleitwerks wegen der fehlenden Verstrebung bei bestimmten Drehzahlen zu starken Resonanzschwingungen neigte und Unfälle zur Folge hatte, weshalb dieser Teil der Maschine verstärkt werden musste.

Nach der Bf 109F-2 (mit zwei 15 mm Maschinengewehren MG 151 anstelle der 20 mm-Kanone MG FF) ging Anfang 1942 die Hauptvariante Bf 109F-3 mit einer Höchstgeschwindigkeit von 628 km/h in 6.700 m Höhe in Serie.


Diese Bf 109F wurde weiter verbessert und erhielt unter der Bezeichnung Bf 109F-4 ein MG 151 mit einem auf 20 mm erweitertem Lauf; als Bf 109F-4/R1 einen Rüstsatz für zwei 20 mm Maschinengewehre MG 151 unter den Tragflächen für den Einsatz als schwerer Jäger und als Bf 109F-4B Bomben bis zu 500 kg für den Einsatz als Jagdbomber. Die Jagdaufklärer Bf 109F-5 und Bf 109F-6 wurden im späteren Verlauf des Jahres 1942 eingeführt. Der zweiundzwanzigjährige Oberleutnant Hans-Joachim Marseille erzielte die meisten seiner 158 Abschüsse mit der tropentauglichen Version einer Bf 109F-4, bevor er am 30. September 1942 über Nordafrika aus einer Bf 109G-2 abspringen musste und dabei ums Leben kam.


Die Bf 109G mit dem Spitznamen „Gustav“ wurde im Spätsommer 1942 in Dienst gestellt und in grösseren Stückzahlen gebaut als alle anderen Varianten. In der Vorserienproduktion erhielten sie noch das Triebwerk DB 601E und in der Serienproduktion das Triebwerk DB 605A mit 1.475 PS (1.100 kW). Als Grundbe-waffnung behielt man die beiden im Bug montierten 17 mm-MG und die 20 mm Bordkanone MG 151/20 im Propellerschaft bei. Die Bf 109G-1 hatte eine Kabine mit Druckausgleich und das Triebwerk DB 605A-1 mit dem Distickstoffoxid (Lachgas)-Auflader GM-1, während die tropentaugliche Version Bf 109G-1/Trop zwei 13 mm-Maschinengewehre vom Typ MG 131 erhielt. Die deshalb notwendigen Verkleidungen gaben diesem Typ den Spitznamen „Beule“. Bei der  Bf 109G-2 gab man die Druckkabine wieder auf. Die Bf 109G-3 ähnelte der Bf 109G-1, verfügte aber über das Funkgerät FuG 16Z.

Die Bf 109G-4  war identisch mit der Bf 109G-3, hatte aber keine Druckkabine. Die Bf 109G-5 erhielt das Triebwerk DB 605D mit dem Wasser-Methanol-Auflader MW-50, der die Leistung auf 1.800 PS (1.343 kW) treiben konnte. Die Bf 109G-5/R2 bekam ein höheres Seitenruder und ein verlängertes Heckfahrwerk, um den Schwung der Maschine beim Start ab fangen zu können.Das bedeutendste Modell der 'Gustav'-Serie war die Bf 109G-6, die in verschiedenen Untervarianten hergestellt wurde und mit dem Triebwerk DB 605 in den verschiedenen Versionen AM, AS, ASB, ASD und ASM geflogen wurde. Die Grundbewaffnung bestand aus der 30 mm-Bordkanone im Propellerschaft, zwei MG im Bug und zwei 20mm-Unterflügel-Maschinengewehren MG 151/20. Dazu kam eine Vielzahl von Rüstsätzen, um z.B. den Jagdbomber Bf 109G-6/R1 mit einer Bombenlast von bis zu 500 kg zu bewaffnen oder um die Bf 109G-6/R2 mit zwei 21 cm –„Dodel“-Raketen WGr 210 anstelle der Unterflügelbewaffnung zu bestücken.


Die Bf 109G-6/U4 wurde mit Hilfe eines Umrüst-Bausatzes mit zwei 30mm-Bordkanonen MK 108 unter den Tragflächen ausgestattet, und der Nachtjäger Bf 109G-6/U4N erhielt ein Radargerät. Daneben wurden von den meisten Varianten auch tropentüchtige Versionen produziert. Eine Bf 109G-7 ging nicht in Serie. Die schnellste `Gustav' war die Bf 109G-10 mit dem Triebwerk DB 605D und dem Wasser-Methanol-Auflader MW-50.

Die Höchstgeschwindigkeit betrug 690 km/h in 7.400 m Höhe. Die Bf 109G-10/R2 und R6 bekamen das veränderte Heck und das Heckfahrwerk der Bf 109G-5/R2 neben dem Freund-Feind-Kenngerät FuG 25a. Die Bf 109G-10/U4 konnte unter dem Rumpf einen Behälter mit zwei 30 mm-Bordkanonen vom Typ MK 108 transportieren, der aber auch durch einen als `Irmer-Behälter' bezeichneten, nicht abwerfbaren Zusatztank ersetzt werden konnte. Die Bf 109G-12 war ein zweisitziges Ausbildungsflugzeug, das 1944 aus der Bf 109G-1 für den Einsatz vor allem bei den Schul-Jagdgeschwadern 101, 102, 104, 106, 107 und 108 entwickelt wurde. Die letzte in Dienst gestellte Variante war die Mehrzweckmaschine Bf 109G-14 mit leichtgewichtiger, starrer Bewaffnung und Möglichkeiten zum Transport von Außenbordkanonen, WGr 210 Raketen oder Bomben. Der schwer gepanzerte Kampfbomber Bf 109G-16 ging zwar noch vor dem Zusammenbruch in Serie, kam aber nicht mehr zum Einsatz.


1943 begannen die Bayerischen Flugzeugwerke mit der Entwicklung eines Höhenjägers aus der F-Serie mit größerer Spannweite und dem Triebwerk DB 601E mit dem Lader GM-1. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 750 km/h in einer Höhe von ca. 10.000 m. Maschinen der Vorserienproduktion wurden in Frankreich im Einsatz erprobt und einige dieser Bf 109H-1 aus der Serienproduktion flogen auch Kampfeinsätze. Es traten jedoch Schwingungsprobleme auf, die zur Einstellung dieser Serie führten. Zeitgleich arbeitete man bereits an der Entwicklung der Bf 109H-2 mit dem Triebwerk Jumo 213E und der Bf 109H-5 mit dem DB 605.



Foto: Rainer Lüdemann
Die letzte eingesetzte Variante der Bf 109 war die K-Serie, die direkt aus der „Gustav“ entwickelt wurde. So wurde zum Beispiel die Zelle des Vorserienmodells Bf 109K-0 direkt aus der G-Serie übernommen. Die Versionen Bf 109K-2 und K-4 (mit Druckkabine) hatten das Triebwerk DB 605 ASCM/DCM mit Methanol-Wasser-Einspritzung (MW 50), der 2.000 PS (1.492 kW) leistete. Die Bewaffnung bestand aus einer 30 mm-Bordkanone MK 103 oder 108 und zwei schweren 15 mm-Maschinengewehren MG 151. Daneben hatte die Bf 109K-6 Vorrichtungen für den Transport von zwei 30 mm Unterflügel-Bordkanonen MK 130. Nur zwei Maschinen der Serie Bf 109K-14 (Triebwerk DB 605L mit MW50 mit Höchstgeschwindigkeit 725 km/h) kamen noch vor Kriegsende zum Einsatz.


Quelle: Aero-Sammelwerk der Luftfahrt, No.15, Aerosoace Publishing Ltd., 1982, London/UK